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05.10.2020

Drei Jahre und einen Tag fern des Heimatortes

Lagenser geht auf die Walz und wird von Wandergesellen abgeholt

Sie wirken wie ein wenig aus der Zeit gefallen, die drei Frauen und vier Männer in der Kluft eines Wandergesellen, die bei Bürgermeister Matthias Kalkreuter mit dem traditionellen Handwerksgruß „zünftig um das Siegel vorsprachen“. In den jeweiligen Orten, in denen sich sie aufhalten, holen sich die Wandergesellen im Rathaus ein Siegel für ihr Wanderbuch, welches auch als Nachweis ihrer Wanderschaft dient.

Sechs Wandergesellen aus dem ganzen Bundesgebiet hatten sich schon am Wochenende in Lage getroffen, um einen jungen Mann aus Lage-Heiden, der am dem heutigen Tag seine Walz beginnt, während seiner erste Woche zu begleiten. „In der ersten Woche stehen wir unserem neuen Wandergesellen helfend zur Seite.  Nach diesem Zeitraum hat er noch einmal die Möglichkeit, sich zu entscheiden, ob er dabei bleiben möchte“, berichteten sie. Wenn ja, wird der junge Mann insgesamt für drei Jahre und einen Tag auf Wanderschaft sein. Während dieses Zeitraums darf er sich bis auf 50 Kilometer Entfernung seinem Heimatort nicht nähern.

Mit der "Walz" bezeichnet man die Wanderschaft eines Handwerksgesellen nach Abschluss seiner Gesellenprüfung. Grundsätzlich gilt: Wandergesellen dürfen maximal 30 Jahre alt und sollten unverheiratet und schuldenfrei sein.

Wer auf die Walz geht, hat keine feste Wanderroute und verfügt selten einen längeren Zeitraum über eine feste Unterkunft. Wandernde arbeiten dort, wo ihnen Arbeit angeboten wird, in den meisten Fällen für Kost und Logis.

Die Walz in Deutschland, ist eine uralte, bis in das späte Mittelalter zurückreichende Tradition, die seit 2014 sogar zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO gehört.

Quelle: Stadt Lage - Der Bürgermeister - Öffentlichkeitsarbeit