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08.04.2022

Neue Wege in der hausärztlichen Versorgung

DRK Landesverband Westfalen-Lippe und DRK Kreisverband Lippe erarbeiten in Kooperation mit den 3L-Kommunen ein Umsetzungskonzept

Um die hausärztliche Versorgung insbesondere in den ländlichen Bereichen ist es bekannter Maßen nicht besonders gut bestellt. Unter anderem liegt es daran, dass die derzeitigen Hausärzte lebensälter werden und in Ruhestand gehen und mögliche Nachfolger nur schwer zu finden sind, denn der medizinische Nachwuchs sieht seine beruflichen Ziele nicht unbedingt im hausärztlichen Bereich.

Dem Umstand eines zukünftig tendenziell sinkenden ärztlichen Versorgungsgrades (in den 3L-Kommunen von derzeit 75 Prozent bis auf rund 60 Prozent in 2030) möchten der DRK Landesverband Westfalen-Lippe e.V. und der DRK- Kreisverband Lippe e.V. in enger Kooperation mit den drei LEADER-Kommunen Lemgo, Lage und Leopoldshöhe mit einem Modell zum Betrieb eines Intersektoralen Gesundheitszentrums (IGZ) begegnen. Ziel ist in einem ersten Schritt ein Umsetzungskonzept zu erarbeiten, welches die regionalen Besonderheiten der hausärztlichen Versorgung der 3L in Lippe-LEADER Region berücksichtigt und neue Alternativen einer ärztlichen Versorgung aufzeigt. Dafür hat die LEADER-Region EU-Fördermittel beantragt.

In einem Pressegespräch der 3L in Lippe-Kommunen in Lage stellte Bürgermeister Matthias Kalkreuter als Vorsitzender der Lokalen Aktionsgruppe, dem LEADER-Entscheidungsgremium, heraus, dass es sich seiner Ansicht nach um ein wertvolles Projekt für Lippe handelt. „Der DRK Landesverband Westfalen-Lippe und der DRK Kreisverband Lippe sind auf die 3L in Lippe- LEADER Region zugekommen, um uns ihre Vorstellungen für einen neuen konzeptionellen Ansatz in der ärztlichen Versorgung vorzustellen. Diese Pläne haben uns überzeugt und gemeinsam wollen wir durch das zu fördernde Umsetzungskonzept die derzeitigen Vorstellungen konkretisieren und eine Umsetzbarkeit bewerten“, legte Kalkreuter dar.

Gerd Diesel vom DRK Landesverband Westfalen Lippe und Klaus-Jürgen Wolf vom DRK Kreisverband Lippe erläuterten ihre Pläne zur Errichtung eines Intersektoralen Gesundheitszentrums (IGZ). Ein räumlicher Standort für das Zentrum soll sich durch die Studie ergeben. Angedacht ist ein System eines ärztlichen Hauptstandortes mit mehreren dezentralen Filialstandorten in multifunktional ausgestatteten Räumlichkeiten. In diesen Filialen könnten auch niedrigschwellig medizinische Beratungsleitungen angeboten werden, die unter anderem durch medizinische Fachangestellte erbracht werden und nicht unbedingt der Anwesenheit eines Arztes/einer Ärztin bedürfen. Weiterer Schwerpunkt ist die Integration technischer Innovationen, wie z.B. die Telemedizin. Das bedeutet, dass in den Filialstandorten der Arzt/die Ärztin bei Bedarf oder für Sprechstunden digital zugeschaltet werden kann. Für die Filialen soll auf eine bestehende räumliche Infrastruktur in Ortsteilen zurückgegriffen werden und schon vorhandene soziale Angebote genutzt und ergänzt werden, berichteten die Verantwortlichen des Deutschen Roten Kreuzes

„Für junge Ärztinnen und Ärzte ist es oftmals nicht mehr attraktiv mit einem immensen finanziellen Investment ärztliche Praxen zu übernehmen und mit medizinischen Geräten auszustatten. Der medizinischen Nachwuchs legt Wert auf eine Work-Life-Balance, das heißt eine Vereinbarung ihres Berufs mit der Familie. Man will nicht mehr in einer 60-Stunden-Woche arbeiten. Darüber hinaus ist der Frauenanteil in medizinischen Studiengängen inzwischen angewachsen. Unser intersektorales Modell eignet sich auch sehr gut für eine Teilzeitbeschäftigung, das spricht vielleicht auch Ärztinnen/Ärzte mit Familie an. Wir wollen Medizinerinnen und Mediziner zusätzlich von Verwaltungsaufgaben und Buchführung entlasten, das übernimmt der Betreiber des Zentrums. Die Ärztinnen und Ärzte sollen sich auf das Heilen und Behandeln konzentrieren können“, stellte Gerd Diesel die Pläne vor.

Klaus-Jürgen Wolf hob hervor, dass sich sein Verband des Themas der hausärztlichen Versorgung angenommen habe, da man derzeit keinen anderen Akteur in diesem Bereich sehe. Für die Studie sei ein Zeitraum von rund 12 Monaten veranschlagt. Danach könnte die Umsetzung starten. Dafür müssten geeignete Immobilien gefunden werden, Rahmenbedingungen geklärt werden sowie Ärztinnen und Ärzte gewonnen werden. „Das braucht mehrere Jahre“, stellte Wolf fest.

„Das derzeitige Hausarztmodell läuft aus. Wir sind gut beraten ein Konzept auf den Weg zu bringen. Ich sehe Handlungsbedarf“, legte Beigeordneter Frank Limpke für die Alte Hansestadt Lemgo dar. Michael Kriszan von der Gemeinde Leopoldshöhe sieht Möglichkeiten der Verbindung der ärztlichen Versorgung in Filialstandorten mit einer sich entwickelnden Nutzung der Nahmobilität.

Zur Finanzierung der Studie haben sich die drei LEADER-Kommunen zusammengetan und einen Antrag auf EU-Förderung bei der Bezirksregierung Detmold eingereicht. Für die Studie inklusive eines Wirtschaftsplanes und eines Finanzierungskonzepts sind rund 149.000 Euro veranschlagt. Die Förderung wird voraussichtlich rund 95.000 Euro betragen. Die Restsumme teilen sich das DRK (45%) und die drei LEADER-Kommunen (55%).

„Wir rechnen mit einer Förderzusage für die Erstellung eines Umsetzungskonzeptes in naher Zukunft. Danach können wir starten“, stellte Regionalmanagerin Susanne Weishaupt abschließend fest.

Quelle: Stadt Lage - Der Bürgermeister - Öffentlichkeitsarbeit